Gedenkfeier zur Reichsprogromnacht

OV-Bericht vom 10.11.2011
(c) Oldenburgische Volkszeitung, OV-Verlag Vechta

Nichts ist vergessen - Gedenkfeiern und Marsch zur Reichsprogromnacht

Zerstörte Geschäfte am 9. November 1938 waren erst der Anfang. Auch im Oldenburger Münsterland. Was folgte waren Deportation und der Tod im Konzentrationslager. An die Judenverfolgung wurde gestern auch im Landkreis Vechta mahnend erinnert.

 

Damme/Dinklage/Vechta

(ssj/kk/kem) - Mit bewegenden Texten von Augenzeugen und der Musik der Kölner Gruppe BAP gedachten die Schüler der Realschule in Damme der Reichspogromnacht.

 

Die Klassen 8d und 10b hatten sich im Geschichtsunterricht mit ihren Lehrern auf die Gedenkfeier vorbereitet. An einer Stellwand hatten die Jugendlichen eine Präsentation erarbeitet, anhand derer die Geschichte des Terrors und seine Folgen nachzuvollziehen war. Den siebenarmigen Leuchter hatten die Schüler im vergangenen Jahr vom Gymnasium in Damme erhalten. In diesem Jahr wird er an die Schüler der Hauptschule weitergegeben, die dann im kommenden Jahr die Gedenkfeier gestalten.

 

Bereits seit 2005 wird in Dinklage die Mahnleuchte von Schule zu Schule gereicht. In einer Feierstunde übergaben sie gestern die Schulsprecher der Realschule an die Schüler der Hauptschule. Zuvor hatten sie an das Schicksal der drei jüdischen Vechtaer Familien Bloch, Gerson und Marx erinnert und ihnen ihre Stimmen geliehen. So erzählten zwei Mädchen als Lisa Gerson und Sara Bloch von ihren Freundinnen und der Unterstützung durch die Vechtaer Bevölkerung. Die bröckelt allerdings nach der Reichskristallnacht. Beide Mädchen werden nach Minsk deportiert, sterben im Kiefernwald des dortigen Konzentrationslagers.

 

Martin Meyer, Pfarrer im Ruhestand, der als Vertreter der christlich-jüdischen Gesellschaft gekommen war, war am 9. No­vember 1938 zehn Monate alt. Eigene Erinnerungen hat er also nicht an die Reichspogromnacht, aber er ist überzeugt: „Man muss immer wieder daran erinnern, wie schlimm es mit der Gewalt unter den Menschen ist." Die Gedenkstunden zur Reichspogromnacht drücken den Wunsch der Menschheit nach Frieden aus, den sie immer wieder nicht einhalten konnte“. In jüdischer Tradition legten die Schüler zum Gedenken der Toten Steine ab.

 

Auch in Vechta wurde den Opfern des Nationalsozialismus gedacht. Die Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit (GCJZ), die Grundschule Hagen, die Liebfrauenschule veranstalteten einen Gedenkmarsch durch die Große Straße. Etwa 100 Menschen nahmen am Schweigemarsch zur Gedenkstätte der ehemaligen Synagoge in der Juttastraße teil. Dieser startete im Anschluss an den ökumenischen Gottesdienst in der Vechtaer Klosterkirche. Den Gottesdienst organisierten in diesem Jahr die evangelische und die katholische Hochschulgemeinde der Universität Vechta. Auf dem Weg machte die Gruppe in der Großen Straße 71 beim ehemaligen Wohnhaus der jüdischen Familie Bloch halt.

 

Der Kölner Künstler Gunter Demnig verlegte dort im vergangenen Jahr Stolpersteine in Gedenken an die vier von den Nationalsozialisten ermordeten Mädchen. An der Gedenkstätte sprach sich Christa Plagemann von der GCJZ für „mehr Zivilcourage, Menschlichkeit und Glaubenstreue" auch in der heutigen Zeit aus.

 

Von Schule zu Schule: Die Realschüler Patrick Musaev und Lena Scheper übergeben die Mahnleuchte an Hauptschüler Sedat Serdas (rechts).
Foto: Köhne, OV

 

 

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